Was Stress mit Angst zu tun hat

Was Stress mit Angst zu tun hat

Wenn Du selber der Meinung bist, dass Du Stress hast, dann solltest Du Dir diesen Beitrag durchlesen. Denn heute schreibe ich über eine Unterscheidung zum Thema Stress, die den wenigsten von uns bewusst ist, nämlich darüber, was Stress mit Angst zu tun hat und warum das wichtig ist für uns zu wissen.

Was meine ich mit dem Wort “Unterscheidung“:

Eine Unterscheidung ist eine Information, die, wenn ich sie habe, einen großen Unterschied zu der Zeit macht, in der ich sie nicht hatte. Sie öffnet mir eine Türe zu einer neuen Reaktionsmöglichkeit, oder ich erlange tieferes Verständnis und sie macht somit im besten Falle mein Leben leichter und angenehmer.

Um diese wichtige Unterscheidung treffen zu können, schauen wir uns zwei Dinge genauer an. Zum einen, wie sich Stress anfühlt und auswirkt und zum anderen werfen wir einen Blick auf die natürlichen, hormonellen Abläufe in unserem Körper, wenn wir gestresst sind. Keine Sorge, es gibt hier keine Nachhilfestunde in Physiologie sondern einen sehr erhellenden Einblick in die Regulationsmechanismen unsres Körpers.

Und abschließend lüfte ich dann das Geheimnis, warum es so wichtig ist, das alles zu wissen.

1. Wie Stress sich auswirkt und sich anfühlt

Lass‘ uns also anschauen wie sich Stress äußert und anfühlt. Denke an den letzten Moment zurück, an dem Du richtig Stress hattest. Wie war das? Was war da?

Wenn ich meinen Teilnehmern in den Seminaren diese Frage stellen, dann kommt mehr oder weniger immer die untenstehende Liste dabei heraus:

  • Schlaflosigkeit
  • hibbelig
  • Gedankenkarrussel
  • Gedankenspirale
  • nicht abschalten können
  • Blähbauch
  • nervös
  • hektisch
  • unkonzentriert
  • Bluthochdruck
  • Verspannung
  • aggressiv

  • Genervtheit
  • Bluthochdruck
  • Schwitzen
  • schwitzige Hände
  • flache Atmung
  • Herzrasen
  • lauter werden als sonst
  • stiller werden / schweigsam
  • Anfälligkeit für Krankheiten
  • Essen schlingen
  • Kopfschmerzen
  • Magenschmerzen
Die "so-fühlt-sich-Stress-an"-Liste

Puhh, also alleine beim Lesen dieser Liste wird mir schon ein bisschen schlecht. Wir sind uns einig: Stress ist ein unangenehmer Geselle.

2. Die Wirkung von Hormonen

Nun mache ich einen kleinen Ausflug mit Dir in die Welt der Physiologie. Die Physiologie erklärt uns die Funktionsweise des Körpers und seiner Organe. Ganz konkret schauen wir uns an, was die sogenannten “Stresshormone“ Adrenalin und Cortisol mit unserem Körper anstellen.

Adrenalin ist dafür zuständig, dass, sobald es ausgeschüttet wird, in unserem Körper folgende Dinge geschehen:

Mediziner-Sprache:

Umgangssprache und daraus abgeleitete, mögliche Symptome:
Herzfrequenzsteigerung Herzklopfen / Herzrasen “einen Puls haben“
Blutdruckanstieghoher Blutdruck, roter Kopf, Unruhe, Nervosität
Bronchiolenerweiterung
Atmung im oberen Bereich des Brustkorbes, keine Bauchatmung mehr → führt u.a. zu Nackenverspannungen und schlechter Verdauung
Lipolyse
Erhöhung des Blutfettwertes, “schlechte“ Blutwerte mit der Gefahr der Arteriosklerose (Blutbahnverfettung) und daraus abgeleitet die Gefahr von Herzkrankheiten
Freisetzung und Biosynthese von Glucose
Erhöhung des Blutzuckers und dementsprechende Insulinauschüttung, langfristig: Diabetes Typ 2
Zentralisierung der Durchblutung kalte Hände und Füße
Hemmung der Magen-Darm-Tätigkeit Verstopfung bzw. Durchfall → dadurch schlechte Verwertung von Nährstoffen, Mangelernährung oder Unterversorgung mit wichtigen Elementen

Cortisol ist ein weiteres Stresshormon. Es hat große Bedeutung bei langanhaltendem Stress. Es verursacht unter anderem

  • ein Vollmondgesicht und Stiernacken durch Fettumverteilung
  • Gesichtsrötung und brüchige Hautgefäße durch Blutzentralisierung

Des weiteren führt es fort, was das Adrenalin schon begonnen hat, nämlich

  • Blutdruckanstieg
  • Blutzuckererhöhung
  • Erhöhung der Blutfettwerte

Und noch ein paar weitere unangenehme Dinge.

Wir halten fest:

Es ist tatsächlich spürbar was diese Hormone mit uns anrichten. Im Alltag. Für jeden von uns.

Klassiker: Symptombekämpfung

Soweit so nicht bahnbrechend, denn der Name “Stresshormon“ ließ uns das ja bereits vermuten. Es ist allerdings enorm wichtig für unser Grundverständnis. Denn:

Der klassische Weg ist momentan, den Symptomen zu begegnen. Also blutdrucksenkende Tabletten zu schlucken, Beruhigungsmittel zu sich zu nehmen, Beta-Blocker, Entwässerungsmedikamente, Atemübungen zu machen, auf die Ernährung zu achten („Ich darf keine Eier essen, das Cholesterin, Du weißt schon …“), Insulin spritzen, verdauungsfördernde Pillen, und und und.

Symptombekämpfung ist ungefähr so effektiv wie einem Löwenzahn die Blätter abzurupfen. Spätestens nach 4 Wochen hat er neue Triebe ausgebildet und freut sich wieder seines Lebens. D.h. wenn man etwas an der Situation ändern will, tut man gut daran zu erforschen, WARUM werden denn die Stresshormone ausgeschüttet?

Denn wenn ich mir diese Frage beantworten kann, dann kann ich an die Wurzel gehen. Das wird auch beim Löwenzahn die einzige Möglichkeit sein, ihn los zu werden. Ihn mit der Wurzel auszugraben.

Welchen Nutzen hat Adrenalin?

Schauen wir daher doch mal nach, warum sich Mutter Natur die Mühe gegeben hat, Adrenalin zu entwickeln – soweit mir bekannt ist, macht die Natur keine Fehler. Was also will sie mit Adrenalin&Co. unterstützen?

Sie unterstützt mit Adrenalin die rasche Bereitstellung von Energiereserven und verstärkt weitere körperliche Fähigkeiten, um

in gefährlichen Situationen besser kämpfen oder schneller fliehen zu können.

Wow! Das ist doch sehr schlau. Bemerke ich bei einer Wanderung, dass es im Unterholz knackst, dann macht sich mein Körper sofort bereit dafür, dass ich gegen den Bär kämpfen kann, oder vor ihm davon laufen kann (schnell!).

War es dann doch nur ein Eichhörnchen und bemerke ich dann 4 Stunden später, dass der Himmel zuzieht und ein Unwetter droht, so kann ich schnell vom Grat runterklettern – ein Kampf gegen das Unwetter ist ja recht aussichtslos.

Gehe ich als Frau abends alleine durch eine Gasse und ich bemerke zwielichtige Typen, geht mein Puls nach oben und ich werde schnellstmöglich eine hellere und breitere Straße suchen (=Flucht).

Und jetzt schon zeichnet sich anhand dieser Beispiele ab, dass es etwas braucht, was den Körper veranlasst, das Adrenalin auszuschütten. Denn eines dürfte sicher sein: Keiner von uns hat jemals zu seinem Körper gesagt: „Mache Adrenalin. JETZT!“.

Und was ist dieses etwas, das es braucht? Was ist allen diesen Situationen gemein, in denen Adrenalin ausgeschüttet wird? Genau: Unwohlsein. Unsicherheit. Oder mit einem anderen Wort ausgedrückt: ANGST.

Es ist die Angst, die dem Körper sagt: „Hey, hier stimmt was nicht!“. Es ist die dräuende Gefahr, die unseren Hormonhaushalt ankurbelt.

Alles andere wäre ja recht sinnlos. Es wäre sinnlos, wenn der Körper immer nachts um 03:00 Uhr Adrenalin ausstößt. Einfach so, ohne Bär, Gewitter oder sonstige Gefahr. Dann lägen wir wach im Bett, hätten einen Puls von 120 und wüssten nichts damit anzufangen.

Und das ist diese wichtige Nachricht, die mir so am Herzen liegt in die Welt zu tragen:

Es ist die Angst, die unsere Körper mit Adrenalin vollpumpen lässt. Es ist die Angst, die die unsere Körper dazu veranlasst, all diese Notmaßnahmen zu ergreifen. Oder anders gesagt: Stress ist nur ein anderes Wort für Angst. Beweise gefällig?

Wie fühlt sich Angst an?

Überlege mal genau, was Du sagen würdest, wie sich Angst anfühlt. Und welche Symptome hat sie?

Da kommen wir doch auf ganz genau die gleiche Liste wie oben beim Stress, nicht wahr? Ist es nicht faszinierend: Stress = Angst oder Angst = Stress.

3. Die Unterscheidung: Stress = Angst und Angst = Stress

Es ist ein und derselbe Symptomen-Komplex. Es ist ist das gleiche Feld. Es ist die gleiche Seite der Medaille.

Der einzige Unterschied:

Stress ist gesellschaftlich anerkannt. Angst nicht.

Stress gehört bei manchen Jobs zum guten Ton, so à la: Wer nicht gestresst ist, der hat wohl nicht genug zu tun?

Aber Angst ist nicht das, was man zugibt. Einen mit Angst, will man nicht im Team. Angst braucht man nicht zu haben – das lernt man schon von Kindesbeinen an. Angstgefühle sind kindisch.

Lustig, nicht wahr? Es ist ein und dasselbe und das eine ist o.k aber das andere nicht.

Woher rührt die Angst?

Wenn Du mir bis hierher folgen konntest und auch in Betracht ziehen kannst, dass es tatsächlich so ist wie ich schreibe, dann kommt nun die Möglichkeit Deinem Stress an die Wurzel zu gehen.

Dafür ist es wichtig die Frage folgende Frage zu stellen:

Aber wovor zum Geier müssen wir denn heutzutage noch Angst haben?

Wir haben keine wilden Tiere mehr vor der Höhle, Essen kann ich jederzeit in rauen Mengen im Supermarkt kaufen, bei Unwetter lassen wir den Rollladen runter.

Also wenn ich nicht gerade auf Berg-, Montainbike- oder Tiefeseetauch-Tour bin, wovor habe ich dann Angst?

Ich halte die Antwort an dieser Stelle blog-typisch eher kurz und will aber nicht versäumen Dir zu sagen, wenn Dich das Thema mehr anspricht, dann wende Dich gerne direkt an mich stefanie@stressclevermanagen.de.

Diese Angst, die wir Stress nennen, ist die nackte Angst ums Überleben.

Ja, ich weiß, das ist starker Tobak und viele von Euch rufen nun an dieser Stelle innerlich, dass das Blödsinn sei. Und ich kann nur auf meine Erfahrung verweisen und meine Forschungen. Diese brachten mich immer wieder zu dieser Erkenntnis.

Statt die zu sein, die wir wahrlich sein wollen, beugen wir uns an allen Ecken und Enden den Vorstellungen von anderen. Ich mache mal eine kleine, polarisierende Liste. Links, das Symptom und rechts die Angst dazu:

Symptom

Angst, die sich hinter dem Symptom verbergen kann
neues Auto kaufenAngst, nicht dazu zu gehören, wenn Auto alt oder falsche Marke
Kleidung
Angst, nicht dazu zu gehören, wenn Marke oder Stil falsch
Ernährung I
Ernährung II
Ernährung III
Angst, krank zu werden
Angst, dass das tierische Karma im nächsten Leben zuschlägt
Angst, krank zu werden
im verhassten Job bleiben I
im verhassten Job blieben II
Angst, kein Geld zu haben, alleine und arm zu sterben
Angst, nicht mehr gesellschaftlich dazu zu gehören
Diät machen I
Diät machen II
Diät machen III
Angst, nicht geliebt zu werden, weil man zu dick / dünn ist
Angst nicht dazu zu gehören
Angst, vom falschen Essen krank zu werden
Schönheits-OPs I
Schönheits-OPs II
Angst, nicht geliebt zu werden
Angst, alt zu werden
Kinder kriegen
Kinder kriegen

Angst, alleine alt zu werden
Angst, keinen Sinn im Leben zu finden
keine Kinder kriegen
keine Kinder kriegen
Angst, zu Verarmen
Angst, den schönen Körper zu verlieren und dann nicht mehr dazuzugehören

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Meine Erfahrung ist einfach:

Wir lieben uns selbst so wenig

Wir achten uns selbst so wenig und

wir übernehmen so wenig die Selbstverantwortung für unser Leben, dass wir eigentlich von einer Angst in die nächste getrieben werden.

Und dahinter steckt immer das Überleben.

Erst wenn wir uns entscheiden zu LEBEN STATT ZU ÜBERLEBEN, können wir wahrhaftig von diesen Ängsten frei werden.

Mir ist klar, dass das, was ich hier soeben schreibe, denn Sinn und Inhalt eines gesamten Lebens ergibt. Doch wenn wir nicht WISSEN, dass wir Sklave unserer Ängste sind, dann können wir nie den ersten Schritt tun.

Dann werden wir uns weiterhin wundern, dass wir Bluthochdruck haben, obwohl wir uns super ernähren.

Dann werden wir Herzkranzgefäßverengungen haben, obwohl wir regelmäßig Sport machen.

Dann werden wir nach wie vor Nackenverspannungen und Bandscheibenvorfälle haben, obwohl wir einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz haben und regelmäßig zum Yoga gehen.

Das Dumme ist nämlich auch, dass Medikamente wie Blutdruck-Senker oder auch Paracetamol auch unsere Gefühle senken. D.h. es entsteht ein Teufelskreislauf von

Angst haben → Medikament nehmen → Angst weniger fühlen → mehr Symptome entwickeln → Dosierung erhöhen → mehr Medikamente nehmen

Der Königsweg da raus ist, zu erforschen, wo bin ich nicht ich. Wo beuge ich mich Umständen die keinesfalls mir entsprechen. Wo verkaufe ich meine Seele.

Das können große Dinge sein, wie, dass Du den absolut falschen Job hast und es können kleine Dinge sein, wie dass Du Deinem Vorgesetzten einfach mal sagen müsstest, dass Du am Freitag pünktlich aus dem Büro gehen wirst.

Es können große Dinge sein, wie dass Du schon viel zu lange in einer Partnerschaft bleibst, die Dir nicht gut tut und es kann etwas kleines sein, nämlich dass Du einfach mal wieder einen Urlaub alleine verbringen willst, oder Deinen eigenen Arbeitsbereich in der Wohnung haben willst

Was auch immer es sein mag – alles was Du für Dich tust, wird Dir helfen, aus diesem Kreislauf heraus zu kommen.

Bitte sorge gut für Dich, denn Du bist die einzige, die so ist wie Du!

Alles Gute

Stefanie

Über die Autorin:

Stefanie Heidtmann kennt das Stress-Leben noch aus der Zeit als sie 70 Wochenarbeitsstunden als selbständige Anwältin gearbeitet hat. Inzwischen genießt sie ihr Leben als Coach und Osteopathin und hat (fast) immer ausreichend Zeit für ihre Famile. Mehr über Stefanie.