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Frage:

Konzeptfrei

Nach was schmeckt das Wasser, in das schwarze Oliven eingelegt sind?

Na?

Laut meinem Sohn (4 Jahre alt), schmeckt es nach:

Bier.

Ups. (Jetzt fragt mich bitte nicht, warum er weiß wie Bier schmeckt …) Nein, mir geht es um was ganz anderes.

Fakt ist: Er hat recht.

Wir haben kleine Gläser schwarzer entsteinter Oliven. Als ich eines davon vor ein paar Wochen öffnete, fragte mich mein Sohn, ob er davon haben kann. Ich legte ihm ein paar Oliven in eine Schale, woraufhin er energisch einforderte, dass er auch von der “Suppe“ haben wolle. Ich goss ihm also auch etwas Lake in die Schale und er begann das Food-Experiment. Die “Trauben“ fand er sehr gut, die “Suppe“ auch o.k., sie schmecke allerdings nach Bier.

Ich schmunzelte und dachte bei mir: „Ja klar, Bier. Ne, is klar ne.“ sagte aber nichts.

In den folgenden Tagen wollte er immer mal wieder von den „Trauben in Bier“ und ich ließ das einfach so stehen, innerlich lächelnd.

Heute öffnete ich ein neues Glas und erinnerte mich an meinen Sohn. Ich schloss die Augen und probierte die Lake, als hätte ich sie noch nie geschmeckt.

Und, oh Wunder: sie schmeckt tatsächlich nach Bier! Zugegeben: Nach abgestandenem Bier. Aber nach Bier.

Da traf mich eine Erkenntnis, welche ich unbedingt mit Euch teilen muss:

Wenn wir immer so ohne Konzept wären, wie es mein Sohn war, wie viel mehr Erfahrungen, Wunder und Staunen könnte es in unsrem Leben geben?

Gehe ich unvoreingenommen an Altbekanntes heran, kann ich überrascht werden.
Gehe ich mit einem Konzept heran, bleibt kein Raum für neue Erfahrungen.

Stell‘ Dir mal vor, welche Chancen das birgt für Dich und Deine Beziehungen und für Deinen Alltag!

Ich bin total aufgeregt, dass diese, mir durchaus bekannte Sichtweise, heute so durchschlagend vor Augen geführt wurde und will Dich einladen, Dich auch von ihr beschenken zu lassen.

Vielleicht gehst Du morgen den Weg in die Arbeit mit neuem Blick?

 

Vielleicht gibst Du heute einem Menschen, den Du gut zu kennen glaubst, eine Riesen-Chance Dich zu überraschen. Einfach nur dadurch, dass Du ihm ohne Konzept begegnest.

Wooooow, spürst Du den Raum, der da jetzt aufgeht? Ist das nicht magisch?

Und wo überall kann Dich die Konzeptlosigkeit noch über die Maßen, über Deine Vorstellung hinaus bereichern?  Und wo hat Dich die Konzeptlosigkeit heute bereichert?

Im Job? Als Mama? Als Chef? Als Kunde? Beim Essen? Beim Sport?

Schreibe mir gerne einen Kommentar, wo Du heute ohne Konzept rangegangen bist und beschenkt und bereichert wurdest!

Schlafwandler

„Jetzt ned. Jetzt ned. Jetzt nemme.“ Oder: Leider vorbei

Jetzt ned. Jetzt ned. Jetzt nemme. Diese Sätze sind sehr traurige Sätze. Sie lauten, aus dem Schwäbischen (meiner Muttersprache) übersetzt:

Nicht jetzt. Nicht jetzt. Jetzt nicht mehr.

Was daran traurig sein soll? Viele von uns denken, sprechen und leben den ersten Satz fast jeden Tag im Zusammenhang mit Lebenszielen, Träumen, Vorhaben.

Wie lange sagst Du Dir schon: „Jetzt nicht.“ und denkst Dir dabei: „Später.“?

Später:

  • Wenn mehr Geld auf dem Konto ist.
  • Wenn die Kinder laufen können / trocken sind / aus dem Haus sind.
  • Wenn der Job sicherer ist.
  • Wenn ich in der Rente bin.

Wann, verdammt noch mal, willst Du anfangen zu leben?!

Ich kenne so viele Geschichten aus meiner Coaching-Praxis, die mir so ans Herz gehen. Wie die der 42-Jährigen. Sie wollte immer Kinder, wenn die Karriere sicher war. Mit 41 Jahren war es so weit. Sie hörte auf zu Verhüten und wurde innerhalb kürzester Zeit schwanger.
Dachte sie. Doch das Ausbleiben der Regel war nicht auf eine Schwangerschaft zurückzuführen. Sie war medizinisch ungewöhnlich früh in die Wechseljahre gekommen.
Jetzt nemme.

Oder der Mann, der immer davon schwärmte, wie er auf die Azteken-Ruinen in Mexiko klettern wird. Ein Buddler, Hobby-Forscher und Reiseliebhaber. Mit 35 waren die Kinder zu jung. Mit 45 war er zu sehr im Job eingebunden. Mit 55 wollte er noch die paar Jährchen auf die Rente warten und mehr sparen, damit die Reise richtig wuppte. Dann wartete er auf seine Tochter, die erst Mal studieren wollte. Und mit 67 machte sein Herz schlapp. Ja, er lebt noch. Aber nach Mexiko kann er nicht mehr reisen. Jetzt nicht mehr.

Wahrscheinlich kennst auch Du viele von diesen Geschichten. Und wie viele davon schreibst Du selbst?
Du erkennst sie am Geschwisterpaar Hätti und Wenndi.

  • Hätt‘ i mehr Zeit, ja dann würde ich  …
  • Wenn die Umstände anders sind, dann …

Immer wenn Hätti und Wenndi Deine Gedanken führen, dann bist Du in Ausreden, und Geschichten leben Dein Leben.
Das ist traurig. Und es ist arrogant.
Dir wurde dieses prachtvolle, kräftige Leben gegeben und Du verplemperst den Tag, den Augenblick, Deine Kraft und Deine Fähigkeiten damit, zu verschieben und zu prokrastinieren.

Schicke Hätti und Wenndi in die Wüste. Bitte um Unterstützung für Deine Pläne. Krieg‘ den Arsch hoch und fang an. Heute. Jetzt.

Wie sagte treffend schon H.T. Buckle:

Der größte Feind des Fortschritts ist nicht der Irrtum, sondern die Trägheit.

Alles Gute für Deine Pläne, die ab heute realisiert werden.
Stefanie

Die große Freude der kleinen Kartoffel

Es gibt unzählige Sprichworte, Weisheiten, Zitate über die Freude, die sinngemäß die Aussage teilen:
„Freude steckt in den kleinsten Dingen. Du kannst Dich über alles freuen, wenn Du es nur zulässt, dass Du die Freude spürst.“

Und dazu meine Frage:
Hast Du schon mal so richtig viel Freude beim Anblick einer Kartoffel empfunden?

Manche denken jetzt vielleicht an die Zeit in Deutschland, wo der Anblick von Kartoffeln Begeisterung, weil Überlebenssicherung, ausgelöst hat. Ich meine aber Dich selber. Wie ist es mit Dir? Hast Du Dich schon mal über eine Kartoffel gefreut?
Ich war sehr überrascht, als mir das widerfahren ist. Und das kam so:
Beim Heimradeln um die Mittagszeit herum konnte ich auf dem Acker in meiner Nachbarschaft beobachten, wie die Kartoffeln mit Hilfe einer Maschine geernet wurden. Es braucht hier dafür tatsächlich sechs Leute! Einer Fährt den Traktor mit Anhänger auf dem die Holzkisten stehen, in welche die Kartoffeln reinfallen. Einer fährt die Erntemaschine, die die Kartoffeln ausgräbt und dann rüber in die Holzkisten transportiert. Vier Leute stehen auf der Erntemaschine und sortieren Steine aus. VIER LEUTE! Der Bauer erzählte mir, dass es in Schrobenhausen nur eines Siebes bedarf, denn dort wachsen die Kartoffeln im Sand und der kann maschinell ausgesiebt werden. Dabei stellt sich mir die Frage:
Wie kann der heimische Bauer gegen den Preis des Schrobenhausener Bauerns bestehen? Aber das wäre ein anderer Blog.
Jedenfalls ist es so, dass die Maschine die kleinen Kartoffeln nicht aufnimmt, die bleiben auf dem Acker und vergammeln. Gute, kleine Kartoffeln. Es sei denn, es kommt ein Mensch, bückt sich und sammelt sie ohne Maschine ein. Dies geschieht eher selten, da es sich für den Bauer nicht lohnt.
Ich fand die Vorstellung, mit meinen Kindern ein paar Kartoffeln zu sammeln allerdings sehr attraktiv (pädagogisch wertvoll – nicht dass meine Kinder später denken, dass Kartoffeln an Bäumen oder in den Tüten von Herrn Chio wachsen), fragte um Erlaubnis und bekam sie.

Ausgerüstet mit Taschen und Eimern begannen wir später mit dem Einsammeln. Einige der herumliegenden Knollen hatten leider einen Riss oder sonstigen Schaden, weil der Traktor beim Hin- und Herfahren drübergefahren war.

Beim Rumkriechen auf dem Boden konnte ich irgendwann erkennen, dass zwischen dem plattgefahrenen Erdboden immer wieder einzelne Hügelchen lockerer, dunkler Erde verblieben waren. Und wie ich so meine Finger in eines dieser Hügelchen steckte, fiel mir unversehens eine erdige, heile, wunderschöne Kartoffel in die Hand. Welch‘ Überraschung, welche Freude: Dort drin waren noch eininge wunderbare, ganze Knollen versteckt!
Ich wühlte weiter in den Erdhügeln und immer wieder Kartoffelglück! Ich fühlte mich ein Bisschen wie ein Goldschürfer damals am Klondike River.

Dankbar für diesen Moment, dankbar, dass der Bauer unser Schürfen erlaubt hat. Eine kleine Ode an die Freude! Habt auch Ihr schon mal Euer eigenes “Kartoffelglück” gehabt? Schreibt gerne davon in einem Kommentar zu diesem Blog.

Ach ja, Jan Delay hat übrigens einen genialen Song über Kartoffeln gemacht.

Erdige Grüße
Stefanie