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Die große Freude der kleinen Kartoffel

Es gibt unzählige Sprichworte, Weisheiten, Zitate über die Freude, die sinngemäß die Aussage teilen:
„Freude steckt in den kleinsten Dingen. Du kannst Dich über alles freuen, wenn Du es nur zulässt, dass Du die Freude spürst.“

Und dazu meine Frage:
Hast Du schon mal so richtig viel Freude beim Anblick einer Kartoffel empfunden?

Manche denken jetzt vielleicht an die Zeit in Deutschland, wo der Anblick von Kartoffeln Begeisterung, weil Überlebenssicherung, ausgelöst hat. Ich meine aber Dich selber. Wie ist es mit Dir? Hast Du Dich schon mal über eine Kartoffel gefreut?
Ich war sehr überrascht, als mir das widerfahren ist. Und das kam so:
Beim Heimradeln um die Mittagszeit herum konnte ich auf dem Acker in meiner Nachbarschaft beobachten, wie die Kartoffeln mit Hilfe einer Maschine geernet wurden. Es braucht hier dafür tatsächlich sechs Leute! Einer Fährt den Traktor mit Anhänger auf dem die Holzkisten stehen, in welche die Kartoffeln reinfallen. Einer fährt die Erntemaschine, die die Kartoffeln ausgräbt und dann rüber in die Holzkisten transportiert. Vier Leute stehen auf der Erntemaschine und sortieren Steine aus. VIER LEUTE! Der Bauer erzählte mir, dass es in Schrobenhausen nur eines Siebes bedarf, denn dort wachsen die Kartoffeln im Sand und der kann maschinell ausgesiebt werden. Dabei stellt sich mir die Frage:
Wie kann der heimische Bauer gegen den Preis des Schrobenhausener Bauerns bestehen? Aber das wäre ein anderer Blog.
Jedenfalls ist es so, dass die Maschine die kleinen Kartoffeln nicht aufnimmt, die bleiben auf dem Acker und vergammeln. Gute, kleine Kartoffeln. Es sei denn, es kommt ein Mensch, bückt sich und sammelt sie ohne Maschine ein. Dies geschieht eher selten, da es sich für den Bauer nicht lohnt.
Ich fand die Vorstellung, mit meinen Kindern ein paar Kartoffeln zu sammeln allerdings sehr attraktiv (pädagogisch wertvoll – nicht dass meine Kinder später denken, dass Kartoffeln an Bäumen oder in den Tüten von Herrn Chio wachsen), fragte um Erlaubnis und bekam sie.

Ausgerüstet mit Taschen und Eimern begannen wir später mit dem Einsammeln. Einige der herumliegenden Knollen hatten leider einen Riss oder sonstigen Schaden, weil der Traktor beim Hin- und Herfahren drübergefahren war.

Beim Rumkriechen auf dem Boden konnte ich irgendwann erkennen, dass zwischen dem plattgefahrenen Erdboden immer wieder einzelne Hügelchen lockerer, dunkler Erde verblieben waren. Und wie ich so meine Finger in eines dieser Hügelchen steckte, fiel mir unversehens eine erdige, heile, wunderschöne Kartoffel in die Hand. Welch‘ Überraschung, welche Freude: Dort drin waren noch eininge wunderbare, ganze Knollen versteckt!
Ich wühlte weiter in den Erdhügeln und immer wieder Kartoffelglück! Ich fühlte mich ein Bisschen wie ein Goldschürfer damals am Klondike River.

Dankbar für diesen Moment, dankbar, dass der Bauer unser Schürfen erlaubt hat. Eine kleine Ode an die Freude! Habt auch Ihr schon mal Euer eigenes “Kartoffelglück” gehabt? Schreibt gerne davon in einem Kommentar zu diesem Blog.

Ach ja, Jan Delay hat übrigens einen genialen Song über Kartoffeln gemacht.

Erdige Grüße
Stefanie